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Die Ursachen von MS

Ursachen

Zwar ist bekannt, dass die Multiple Sklerose eine Autoimmunreaktion darstellt, doch bleiben die eigentlichen Auslöser dieser Reaktion weiterhin ein Rätsel. Die meisten ExpertInnen stimmen darin überein, dass der Auslöser höchstwahrscheinlich eine Kombination aus umweltbedingten, genetischen und viralen Faktoren ist1.

Umweltfaktoren

Die Zunahme der Prävalenz der MS in höheren Breitengraden spricht für die Beteiligung von Umweltfaktoren, die sich entsprechend dem Breitengrad ändern, z.B. Sonnenexposition. Die höhere Sonneneinstrahlung in geringeren Breitengraden und vielleicht der damit zusammenhängende erhöhte Vitamin D-Stoffwechsel bietet möglicherweise einen gewissen Schutz gegen die Krankheit. Geringe Sonnenexposition und damit ein niedriger Vitamin D-Spiegel scheinen ein Risiko für die Entstehung der MS darzustellen. Auch dem Rauchen und bestimmten Ernährungsgewohnheiten wird eine gewisse Bedeutung für die Entwicklung und den Verlauf der Multiplen Sklerose zu gesprochen. Weitere Unterstützung für die Beteiligung von Umweltfaktoren am MS-Risiko kommt von Migrationsstudien. In einigen Studien stieg das MS-Risiko bei Migration in der Kindheit von einem Niedrig- in ein Hochrisikogebiet an. Umgekehrt ging das Risiko bei Migration von einem Hoch- in ein Niedrigrisikogebiet zurück. Die Migrationsdaten lassen außerdem vermuten, dass das Krankheitsrisiko bis zum 15. Lebensjahr festgelegt wird; Kinder, die vor dem 15. Lebensjahr migrieren, nehmen tendenziell das MS-Risiko des Ziellandes an. Nach neuesten Untersuchungen scheinen auch Viren, wie z.B. das Eppstein Barr Virus und die Aktivierung von Retroviren einen Einfluss auf das Entstehen von MS zu haben2,3,4,5.

Genetische Faktoren

Genetische Faktoren spielen bei MS sicherlich ebenfalls eine Rolle. Zwillings- und Familienstudien zeigen, dass jemand, der mit einem MS-PatientInnen verwandt ist, ein höheres Risiko für die Entwicklung der Erkrankung hat, als jemand ohne eine entsprechende familiäre Vorgeschichte. Bei Verwandten ersten Grades scheint das Risiko am höchsten zu sein (1:3, wenn ein eineiiger Zwilling die Erkrankung hat). Für die Kinder oder Geschwister von MS-PatientInnen ist das Risiko, die Krankheit zu entwickeln, jedoch weiter sehr gering, und beträgt ca 3%6,7.

Risiko

1:3 – Wenn ein eineiiger Zwilling MS hat.
1:15 – Wenn ein zweieiiger Zwilling MS hat.
1:25 – Wenn ein Geschwisterteil MS hat.
1:50 – Wenn ein Elternteil oder Halbgeschwisterteil MS hat.
1:100 – Wenn ein/e Cousin/e ersten Grades MS hat.
1:1.000 – Wenn niemand in der Familie MS hat.

Wahrscheinlich ist kein einzelnes Gen ursächlich für die MS verantwortlich. Die derzeitige Theorie geht vielmehr davon aus, dass die Krankheit bei Menschen mit einer genetischen Empfänglichkeit oder Prädisposition auftritt, die einem bestimmten umweltbedingten und / oder viralen Angriff ausgesetzt sind, der die Blut-Hirn-Schranke (BHS) unterbricht und den Immunfaktoren ermöglicht, zu den Nervenzellen zu gelangen. Da Familienmitglieder meist eine ähnliche Umgebung und Lebensweise haben, erscheint diese Erklärung plausibel8,9.

Virale Faktoren

Es gibt Hinweise, dass das Immunsystem auf Infektionen altersabhängig unterschiedlich reagiert und nach neuesten Untersuchungen scheinen auch Viren, wie z.B. das Eppstein Barr Virus und die Aktivierung von Retroviren einen Einfluss auf das Entstehen von MS zu haben10.

HÄUFIGKEIT – Bei wem tritt MS auf?

MS ist die häufigste Erkrankung des Zentralnervensystems bei Erwachsenen und betrifft weltweit bis zu 2,5 Mio. Menschen11.

Prävalenz und Inzidenz

Inzidenz der MS weltweit

Die Häufigkeit von MS variiert je nach Region. In gemäßigten Klimazonen ist die Inzidenz (= Anzahl der Neuerkrankungen) höher als in äquatorialen Gebieten. In Europa steigt die MS-Prävalenz (= Krankheitshäufigkeit) von Süden nach Norden kontinuierlich an (20/100 000 bis 200/100 000). Durch den Einfluss von unterschiedlichen Lifestyle-Faktoren, aber auch ethnischen Veränderungen durch Einwanderungen in verschiedene Regionen, kann es aber zu Abweichungen dieser generellen Aussage kommen11.

Einfluss von Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit

Alter
MS betrifft im Allgemeinen junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 40 Jahren und stört häufig ihre Lebens- und Karriereplanung. Zwischen 25 und 29 Jahren scheint die Inzidenz der MS am höchsten zu sein. Die Prävalenz ist jedoch sowohl bei Männern als auch bei Frauen in der Altersgruppe von 40-49 Jahren am höchsten11.

Geschlecht
Die MS tritt bei Frauen etwa doppelt so häufig auf wie bei Männern. Es wurde vermutet, dass der Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone auf das Immunsystem bei der Entwicklung der MS eine Rolle spielen könnte. Dies wird durch den Rückgang der Schubhäufigkeit während der Schwangerschaft gestützt12.

Ethnische Zugehörigkeit
Die Erhöhung von Prävalenz und Inzidenz in den verschiedenen ethnischen Gruppen ist ein multifaktorielles Phänomen. Einfluss darauf haben neben der genetischen Herkunft auch Umweltfaktoren, Infektionen, die individuelle Immunität, und unter anderem Vitamin D- und Calciumspiegel. Die Effekte der ethnischen Zugehörigkeit bei MS sind auffallend: Todesfälle aufgrund von MS-bedingten Komplikationen sind bei KaukasierInnen beinahe doppelt so häufig wie bei Nicht-KaukasierInnen. In den USA ist die Inzidenz der MS bei AmerikanerInnen kaukasischer Abstammung höher als bei AfroamerikanerInnen; letztere können jedoch einen aktiveren Krankheitsverlauf und stärkere Behinderungen aufweisen. Ebenso ist der Verlauf der MS bei NordafrikanerInnen oft aggressiver sein als bei EuropäerInnen. Einige ethnische Gruppen zeigen unverhältnismäßig niedrige Häufigkeiten der MS, z.B. Inuit, Lappen, Maoris, ZentralasiatInnen und andere13,14.

Referenzen:

1 Belbasis L, et al; Environmental risk factors and multiple sclerosis: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. Lancet Neurol. 2015 Feb 3. pii: S1474-4422(14)70267-4
2 Mameli G et al; Expression and activation by Epstein Barr virus of human endogenous retroviruses-W in blood cells and astrocytes: inference for multiple sclerosis; PloS ONE. 2012;7(9)
3 Bagert BA et al; Epstein-Barr virus in multiple sclerosis; Curr Neurol Neurosci Rep. 2009 Sep;9(5):405-10.
4 Belbasis L, et al; Environmental risk factors and multiple sclerosis: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. Lancet Neurol. 2015 Feb 3. pii: S1474-4422(14)70267-4
5 Hedström AK et al; The Role of Environment and Lifestyle in Determining the Risk of Multiple Sclerosis; Curr Top Behav Neurosci. 2015 Feb 24
6 Didonna A et al; Genetic determinants of risk and progression in multiple sclerosis; Clin Chim Acta. 2015 Feb 4
7 Fagnani C et al; Twin studies in multiple sclerosis: A meta-estimation of heritability and environmentality. Mult Scler. 2015 Jan 12
8 C. Ebers et al; Conjugal multiple sclerosis: population-based prevalence and recurrence risks in offspring. Canadian Collaborative Study Group; Annals of Neurology, Band 48, Nummer 6, Dezember 2000, S. 927–931
9 P. Robertson et al; Age-adjusted recurrence risks for relatives of patients with multiple sclerosis; Brain : a journal of neurology. Band 119 ( Pt 2), April 1996, S. 449–455
10 Bagert BA et al; Epstein-Barr virus in multiple sclerosis; Curr Neurol Neurosci Rep. 2009 Sep;9(5):405-10
11 Kingwell et al; Incidence and prevalence of multiple sclerosis in Europe: a systematic review. BMC Neurol. 2013 Sep 26
12 Koch-Henriksen et al; The changing demographic pattern of multiple sclerosis epidemiology; Lancet Neurol 2010 May;9(5):520-32
13 Alter et al; Multiple sclerosis frequency in Israel’s diverse populations. In: Neurology. Band 66, Nummer 7, April 2006, S. 1061–1066
14 Bohlega S; Epidemiology of MS; Mult Scler Relat Disord; 2014 Nov;3(6):766-7

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