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Die Diagnose MS

Wie wird MS diagnostiziert?

Die Diagnose der Multiplen Sklerose kann nicht durch einen einzelnen Test nachgewiesen werden. Es gibt eine Reihe anderer Erkrankungen mit sehr ähnlichen Symptomen wie MS, daher beruht die Diagnose der MS auf den klinischen Merkmalen und wird durch die Ergebnisse zahlreicher Tests und Untersuchungen ergänzt. Diese Tests und Untersuchungen sind sehr spezieller Art und werden deswegen von NeurologInnen durchgeführt.

Grundlagen der MS-Diagnose

Die klassische Diagnose einer MS stützt sich auf die Anamnese (Hinweise für bereits früher aufgetretene neurologische Symptome mit Schubcharakter), Ein- bzw. Zuordnung von neurologischen Beschwerden, die eine zentralnervöse Störung anzeigen, sowie den klinischen Nachweis einer zeitlichen und örtlichen Dissemination (Streuung) von Plaques im ZNS, bei Ausschluss anderer Ursachen. Für die richtige Einordnung der klinischen Zeichen ist die Definition eines Schubes zu beachten. Heutzutage gründen die meisten NeurologInnen ihre Diagnose der MS auf eine Reihe von Faktoren, die nach den McDonald-Kriterien erfasst werden. Diese Kriterien stellen ein Gleichgewicht her zwischen der Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und der Bedeutung, eine falsche positive Diagnose zu vermeiden.

Eine frühzeitige Diagnose der MS ist wichtig, denn:

Je früher die Erkrankung diagnostiziert und eine Behandlung begonnen wird, desto besser können die derzeitigen Therapien den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Eine genaue Diagnose ist wichtig, denn:

Sie ermöglicht die Auswahl der am besten geeigneten Therapie. MS hat enorme Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen – es ist keine Erkrankung, die NeurologInnen leichtfertig diagnostizieren.

McDonald-Kriterien

Die erstmals im Jahr 2001 vorgestellten McDonald-Kriterien wurden entwickelt, um die Diagnosestellung bei PatientInnen zu erleichtern, deren Zeichen und Symptome auf MS hinweisen. 2010 wurden sie überarbeitet, um den diagnostischen Prozess bei erhaltener ausreichender Sensitivität und Spezifität zu vereinfachen und zu beschleunigen. Hauptprinzip der MS-Diagnose ist der Nachweis einer räumlichen und zeitlichen Streuung (Dissemination) von entzündlich-entmarkenden Herden (auch als Plaques bezeichnet) im Zentralnervensystem.

Klinische Merkmale

Wie bei jeder Erkrankung beginnt die Diagnosestellung mit einem Gespräch über Art und zeitlichen Verlauf der Beschwerden und Symptome sowie eventuelle frühere Erkrankungen mit dem Facharzt für Neurologie. Anschließend wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Dabei werden Muskelkraft, Reflexe und Koordination sowie Hautsinne und die Funktion der anderen Sinnesorgane untersucht. Vorausgegangene Schübe sind ein wichtiges Element der McDonald-Kriterien und können anhand der medizinischen Vorgeschichte der PatientInnen ermittelt werden.

Was ist ein Schub ?

Ein Schub ist definiert als das Auftreten neuer – oder das Wiederaufflammen bereits bekannter klinischer Symptome, die mindestens 24 Stunden anhalten, mit einem Zeitintervall von mindestens 30 Tagen zum Beginn vorausgegangener Schübe auftreten und nicht durch Änderungen der Körpertemperatur oder im Rahmen von Infektionen erklärbar sind. Die Dauer eines Schubes beträgt meist einige Tage bis wenige Wochen. Je nachdem, ob sich die aufgetretenen Symptome vollständig oder nur unvollständig zurückbilden, spricht man von einer kompletten oder inkompletten Remission.

Besteht nun für den Neurologen der Verdacht auf MS folgen weitere Untersuchungen. Am wichtigsten ist nun die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und eventuell auch des Rückenmarks.1

Liquor-Untersuchung

Der Liquor umgibt das Zentralnervensystem und enthält Nährstoffe, Proteine und andere Moleküle, die der Ernährung und dem Schutz des Zentralnervensystem dienen. Die Liquoranalyse ermöglicht den Nachweis abnormer Proteine, kleinster Myelinfragmente und bestimmter Leukozyten und dient so der Diagnose einer MS und dem Ausschluss anderer Krankheiten, die der MS ähneln. Durch eine sogenannte Lumbalpunktion wird eine Liquorprobe gewonnen.1

Magnetresonanztomographie

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren und bildet Gehirn oder Rückenmark in sogenannten Schichtaufnahmen ab. Die MRT ist ein wichtiges diagnostisches Instrument bei MS. Sie ist die empfindlichste derzeit verfügbare, nicht invasive (=nicht in den Körper eindringende) Methode zur Identifizierung von Bereichen mit einer Demyelinisierung oder anderen pathologischen Veränderungen des Nervengewebes.

Neben der Erstdiagnose der MS wird die MRT auch verwendet, um Zustandsänderungen im Zeitverlauf nachzuverfolgen und die Wirksamkeit der Behandlung zu ermitteln. Die MRT nutzt die magnetischen Eigenschaften der Wasserstoffatome im Wasser und erstellt hochauflösende Bilder der Weichteilgewebe des Körpers. Geschädigtes Gewebe und MS-bedingte demyelinisierte Läsionen zeigen sich in den Aufnahmen als Bereiche hoher Signalintensität (helle Flecken). Insgesamt lassen sich auf diese Weise 90 % der Läsionen der weißen Substanz des Gehirns und etwa 64 % der Rückenmarksläsionen erkennen. Anschließend kann die Lokalisation der Läsionen mit den klinischen Symptomen und pathologischen Zeichen verglichen werden, um eine genaue Diagnose zu stellen.2

MRT-Befund: Läsion im Gehirn
Läsion im Gehirn
MRT-Befund: RückenmarksläsionRückenmarksläsion (verantwortlich für das Taubheitsgefühl im Bein)

Evozierte Potentiale (EP)

Die Messung evozierter Potentiale ist eine einfache und schmerzlose elektrische Untersuchung der Nervenfunktion, bei der die Zeit gemessen wird, die ein Nerv benötigt, um auf einen Reiz eines Sinnesorgans zu reagieren (z.B. wie lange Nervenimpulse vom Auge, Ohr oder von der Haut bis zum Gehirn brauchen). Da der Verlust der Myelinscheide bei MS zu einer Verlangsamung der Nervenleitung führt, zeigt eine abnorm verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeit, dass die untersuchte Leitungsbahn erkrankt ist. Es gibt unterschiedliche Arten, evozierte Potentiale zu messen, doch ist die Messung visuell evozierter Potentiale am hilfreichsten für die Diagnose der MS, da sie eine in der MRT- Aufnahme möglicherweise nicht zu erkennende Sehnervschädigung objektiv nachweisen kann.

Visuell evozierte Potentiale (VEP)

VEP ermöglichen eine Beurteilung des Sehnerven und der Sehbahn vor allem in der Verlaufsdiagnostik der Optikusneuritis bei MS. Dabei wird die Weiterleitung von Nervenimpulsen vom Auge zum Gehirn gemessen.3

 

Referenzen:

1 Gold R, al. e. DGN-Leitlinie Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose; Stand Jänner 2012, Ergänzung Aug 2014
2 M.Sailer, F.Fazekas et al; Zerebrale und spinale MRT-Untersuchung bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom oder gesicherter Multipler Sklerose; Fortschr. Röntgenstr. (Neuroradiologie) 2008; 180: 994-1001
3 Grecescu; Optical Coherence Tomography vs visual evoked potentials in detecting subclinical visual impairment in multiple sclerosis; J Med Life. 2014 Oct-Dec; 7(4):538-41

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